31.12.2010 - Gemeinde/ Stadt
Gelnhäuser Tageblatt Anfrage Demografischer Wandel
Position der CDU-Fraktion Bad Orb zu den Anfragen der GT-Redaktion
Für wie wichtig halten Sie die Auswirkungen des Demografischen Wandels in Bad Orb und warum?
Die Auswirkungen des Demografischen Wandels stellen Bad Orb vor große Herausforderungen. Wenn man sich die statistischen Angaben im Sozialatlas des Main-Kinzig-Kreises (Ausgabe 2007/2008) betrachtet, dann liegt der Anteil der über 65-jährigen an der Bad Orber Wohnbevölkerung bei über 30 %, der der unter 18-jährigen hingegen bei etwa 14 %. Die Vergleichszahlen im Main-Kinzig-Kreis insgesamt: Über 65 Jahre: ca. 19 %, unter 18 Jahre ca. 18 %.
Welche Gefahren sehen Sie in diesem Zusammenhang für die Kurstadt?
Eine entscheidende Gefahr, die aus dieser Entwicklung entsteht, ist die Gefahr, dass Bad Orb zu schrumpfen droht. In den letzten Jahren hat Bad Orb im Saldo deutlich an Einwohnern verloren. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das soziale Gefüge in unserer Stadt, sondern nicht zuletzt auch negative Folgen für den ohnehin schwer angeschlagenen städtischen Haushalt. Denn sinkende Einwohnerzahlen bedeuten automatisch auch schrumpfende Einnahmen aus Steuern und Gebühren, sowie weniger Einkommenssteueranteil aus dem Kommunalen Finanzausgleich des Landes. Für uns in Bad Orb heißt das, wenn wir auf Dauer als eigenständige Stadt bestehen wollen, müssen wir dieser Entwicklung erfolgreich entgegentreten.
Was ist Ihrer Meinung nach zu tun, um diesen Gefahren zu begegnen?
An erster Stelle muss Bad Orb wieder attraktiver werden für junge Familien. Neben bezahlbarem Wohnraum müssen sozialverträgliche Lebensumstände vorhanden sein. Das heißt, die kommunale Gebühren- und Abgabenbelastung für junge Familien darf trotz aller Konsolidierungszwänge definitiv nicht steigen. Bei den Kindergartengebühren sollte überprüft werden, ob eine Gebührenerhebung nach Einkommensstaffelung hier Verbesserungen schaffen könnte. Des weiteren müssen die vorhandenen Betreuungsangebote für Kleinkinder unter drei Jahren schrittweise ausgebaut werden. Wir müssen ferner überprüfen, ob wir als Stadt hierbei ehrenamtliche Initiativen für Tagesmütter- und Betreuungsangebote anreizen und fördern können. Überhaupt ist das Ehrenamt aus unserer Sicht ein ganz wichtiger Berührungspunkt der Generationen, also von Alt und Jung.
Ganz entscheidend für die Attraktivität unserer Stadt für junge Familien wird auch sein, ob es weitere attraktive Arbeitsplatzangebote gibt. Hierzu müssen ganz gezielt Ansiedlungsanreize insbesondere für Dienstleistungsbetriebe geschaffen werden. Flächen und Immobilienleerstände sind zweifellos vorhanden. Was wir brauchen, ist eine richtige Wirtschaftsförderung mit professionellem Standortmarketing.
Bei allen Problemen, die sich aus dem Demografischen Wandel ergeben: Wir sollten die Tatsache, dass viele ältere Menschen ihren Lebensabend in Bad Orb verbringen wollen, nicht als Gefahr, sondern als große Chance für unsere Stadt begreifen. Das ist ein Gewinn für Bad Orb, sichert unsere attraktive Infrastruktur und bietet Chancen für künftige Arbeitsplätze und die Gewerbetreibenden vor Ort. Deswegen müssen die Interessen unserer älteren Mitbürger auch weiterhin Berücksichtigung finden. Die CDU-Fraktion spricht sich daher unverändert für die Einrichtung eines städtischen Senioren-Beirates aus.
Gibt es Ihrer Meinung nach bereits Ansätze in Bad Orb, besagten Gefahren zu begegnen, und wenn ja, welche sind es?
Sicherlich haben wir in Bad Orb schon jetzt einige Bedingungen, die auch für junge Familien attraktiv sind. Wir haben eine qualitativ und quantitativ gute Versorgung mit Kindergartenplätzen. Wir sind ein hochwertiger Schulstandort mit Grund-, Haupt- und Kreisrealschule. Wir haben noch immer ein ordentliches Angebot an attraktiven Bauplätzen, beispielsweise im Baugebiet „Langer Acker“, das sogar noch zunehmen wird durch das künftige Baugebiet „Lauzenberg“. Wir haben eine vielfältige Vereinswelt mit attraktiven Angeboten auch für junge Leute. Wir sind ein Fremdenverkehrs- und Gesundheitsstandort, der beachtlich in die Zukunft investiert hat mit modernisierten Kurimmobilien (Toskana-Therme, Konzerthalle, Kurhaus-Hotel). Wir haben nach wie vor eine Vielzahl an Arbeitsplätzen bei Gastgewerbe, Einzelhandel, Kliniken sowie den übrigen Betrieben.
Das ist eine gute Grundlage, auf der sich aufbauen lässt, um die Herausforderungen der demografischen Entwicklung erfolgreich zu bestehen.